Vertikale Schnittachse / Primärfelder – Reduktion als gesetzte Ordnung
Es beginnt nicht im Ungefähren.
Es beginnt mit einer Setzung, die einen Namen trägt.
Vertikale Schnittachse / Primärfelder.
Ein Werk von Anselm Bonies.
Entstanden im Jahr 2024.
Gefasst auf 20 × 20 Zentimetern -
gerahmt, gehalten durch ein Passepartout auf 30 × 30.
Ein Bild auf Photokarton.
Matt kaschiert.
Still in der Oberfläche.
Präzise in der Wirkung.
Und doch beginnt es - wie zuvor - mit einer Linie.
Eine horizontale zieht sich durch das Feld.
Unaufgeregt. Bestimmend.
Dann der Eingriff:
Eine vertikale Achse schneidet sie.
Nicht mittig.
Leicht verschoben.
Wie eine Entscheidung, die bewusst nicht symmetrisch sein will.
Hier entsteht kein Raster.
Hier entsteht ein Zustand.
Die Formen treten hinzu.
Nicht als System.
Als Setzungen.
Ein rotes Rechteck - aufgerichtet, links der Achse.
Ein blaues Rechteck - gelagert unterhalb der Linie.
Ein gelber Kreis - oben rechts, ruhig dominant.
Dazu kleinere Akzente.
Ein Echo in Gelb.
Ein leiser Gegenpol in Rot.
Und zwischen all dem: Raum.
Viel Raum.
Freie Fläche.
Keine Überlagerung.
Keine Verdichtung.
Die Elemente berühren sich nicht.
Sie behaupten sich.
So entsteht etwas, das sich nicht abschließt.
Ein Gleichgewicht - aber kein fertiges.
Die Werkgruppe nennt es Geometrische Statik.
Die Serie spricht von Rasterbalance - Schnitt / Setzung.
Doch was hier sichtbar wird, ist kein System.
Es ist der Moment davor.
Der Moment, in dem Ordnung möglich wird.
Nicht, weil sie da ist -
sondern weil sie gesetzt wird.
Der Künstler selbst formuliert es einfach:
Er setzt Punkte. Linien. Felder.
Und lässt sie stehen.
Im Raum wirkt das Werk entsprechend klar.
Architektonisch.
Ruhig.
Unmittelbar lesbar.
Es fordert nichts.
Es erklärt nichts.
Und genau darin liegt seine Stärke.
Als erstes Werk einer Sammlung.
Als bewusste Entscheidung an einer Wand.
Oder als Teil einer seriellen Hängung.
Es passt zu Räumen, die nicht gefüllt werden wollen -
sondern gedacht.
Zu Menschen, die Reduktion nicht als Verzicht sehen,
sondern als Präzision.
Die matte Oberfläche nimmt dem Licht die Härte.
Sie hält den Blick.
Sie lässt die Schichtung wirken -
nicht laut, sondern nachvollziehbar.
So bleibt dieses Werk, was es ist:
keine Konstruktion.
Kein abgeschlossenes System.
Sondern eine Setzung.
Datiert. Handsigniert.
Nicht limitiert -
aber in sich geschlossen.
Und offen zugleich.
